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Manöverfahrt 1960

Es ereignete sich irgendwann 1960 auf Z2 bei Manöverfahrten in der Ostsee. Es waren junge Offiziere an Bord gekommen, die nun an das Manöverfahren als Wachoffiziere herangeführt wurden.
Ich war Fahrmaat in T2 als von T1 ein Telefonanruf durchkam: "Es werden in den nächsten Stunden diverse Bojenmanöver gefahren." Für uns und die Kesselraumcrew hiess es nun, alle ankommenden Fahranweisungen der Brücke aufmerksam und schnell auszuführen!
Es dauerte nicht lange und die Manöver mit "MANN ÜBER BORD" begannen. Der Maschinentelegraf sprang, hin und her und der Schreiber für die Fahrmanöver kam kaum mit dem Notieren mit. Mir wurde es am Fahrstand nun zu dumm und ich gestattete mir, über BÜ die Frage an die Brücke: "Warum nur diese Hektik?"
Der BÜ der Brücke antwortete im gedämpften Ton: "Wir haben eben zum zweiten Mal den Mann über Bord versenkt!!!" Nun war uns vieles klarer. Die Fahrmanöver jedoch kamen immer noch sehr flott.
Was uns unten im Turbinenraum entgangen war, der LI war durch den Notausgang zu uns nach unten geklettert und beobachtete meine Arbeit am Fahrstand.
Da klopfte es plötzlich auf meine rechte Schulter. Es war die qualmende Pfeife von unserem LI. Ich wendete mich ihm zu und dann kam der Spruch des Tages, der mir noch heute, 50 Jahre später, immer noch in den Ohren klingt.
"Maat HINZE, ich verfolge ihre wilde Kurbelei an den Fahrventilen schon eine ganze Weile.
Nun hören sie mir bitte genau zu und halten sie sich während ihrer gesamten Laufbahn daran:
Ein ZERSTÖRER ist kein VOLKSWAGEN und HOCHDRUCK-HEISSDAMPF ist kein RASIERWASSER!!!"

Ohne weiteren Kommentar verschwand er nach Oberdeck.

Diese Aussage wurde in meiner weiteren Laufbahn von mir immer an meine Turbinenmaate weitergegeben.

Jochen Hinze nach_der_wache.jpg