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...die Ölfüße, Bilgenkrebse, Schwarzfüße, Ölkannenjongleure oder einfach, die Heizer. Ein Begriff aus längst vergangenen Tagen, als tief unten im Schiff eine Menge von Männern damit beschäftigt waren Kohle zu trimmen, in die Feuerkessel zu schaufeln um das Wasser für die Dampfmaschinen zu kochen. Unsere „Schwarzen Gesellen“, die Männer der II. Division, die ihre Dienstzeit bei der Marine eigentlich immer vor Ort, als unter Tage, tief im Schiffsrumpf, in der Zeche, wie sie ihre Betriebsräume an Bord selbst nennen, verbringen.

Ist dieser Heizergruß ein Aufschrei… ...weil sie auf einem Schiff immer ganz unten sind, die Schönheit einer Seefahrt nur erahnen können, weil sie an ihnen unsichtbar vorübergeht. Und selbst wenn sie vom Schiff runter sind, ob im Heimathafen oder in fernen Ländern an Land gehen, da sind sie nämlich auch immer ganz schnell unten unter!

So ein Aufschrei, oder Heizergruß, schaffte es 1966 sogar auf die Titelseite einer Kieler Zeitung.

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Wobei der Sonntag, am 5.6.1966, ein warmer frühsommerlicher Tag war, das ideale Wetter zum Auslaufen...................bis sich alles ein wenig veränderte.
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Nachdem wir jede Menge verrußter Angehörige auf der Tirpitzmole zurückgelassen hatten, drehte Zerstörer 3, immer noch qualmend, Richtung Holtenauer Schleuse. Unsere Angehörige hatten ja jetzt 62 Tage Zeit zu verzeihen und uns eventuell wieder zu begrüßen.
Zu erwähnen ist noch, dass nach verlassen der Schleuse und noch vor erreichen der Holtenauer Hochbrücke, die "Diszis" vom Kmdt. an die Beteiligten ausgesprochen wurden (sonst eigentlich I.O. Sache). Die Flüche unseres Schmaddings über sein versautes Schiff, hallten uns noch bis Brunsbüttelkoog, laut in den Ohren.

 

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Den eindrucksvollsten Heizergruß sah und filmte ich 1976 bei einer Reserveübung auf Z5, die drei Wochen Seefahrt brachte und als Krönung, eine Woche Werftliegezeit mit Rostklopfen auf Z2. Das war aber auch so was von interessant! Wieder war es Zerstörer 3. Die Vorführung des Heizergrußes ging dieses Mal aber nicht von den Männern der II. Division aus, die unter Deck ihren hoch bewährten Dienst an hochmodernen Antriebsanlagen betrieben, oder so ähnlich. Die meinen, das wahre Herz schlägt im Maschinenraum. Dieses Mal kam es von oberster Stelle, vom Kommandanten befohlen. Zu diesem Zeitpunkt, FK Hans-Georg (Schorsch-Charly) Nippe. Einer der größten maritimen Showmaster, immer gut für irgend eine sportliche Höchstleistung, Vor- Nach-Querolympische Gewaltmärsche und sonstige Körperertüchtigungs- oder andere Showeinlagen. Wir, Z5 und Z3 waren zu Ausbildungsfahrt unterwegs, gerade 3 Tage in Göteborg gelegen zur Genesung des Körpers und des Geistes und nun sollte wieder etwas zur Übung gemacht werden. Schleppen war angesagt, Z5 sollte mittels Stahltrosse und der Ankerkette von Zerstörer 3 schleppen. Z5 war in den Vorbereitungen des Schleppmanövers, als ein Notruf von Z3 kam, Maschine explodiert, Schiff brennt und Tausende von Verletzten.

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Langsam staffelten wir an die Unglücksstelle heran, als wir eine gewaltige, lange Qualmwolke sahen, in Rufweite konnten wir dann das ganze Ausmaß der Katastrophe sehen.

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An Oberdeck standen die Verwirrten und Verwundeten, schwenkten Betttücher und schrien um Hilfe.
Es war Hollywoodreif, eben "Made by Nippes". Wir gingen beeindruckt an die Hilfeleistung, es wurde die Schleppverbindung hergestellt und dann haben wir Z3 ein bisschen durch die Gegend gezogen.

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Hatten dann noch andere gemeinsame Manöver, aber keines mehr war so Katastrophenfilm fähig. Halt das ganz normale Programm, High-Line, Postbeutel, Ölübernahme von der Münsterland, Helikoptermanöver, Mann über Bord usw. eben das Richtige für Geist und Körper.

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