Home Navigationspfeil Anekdoten Navigationspfeil Geschlechtskrankheiten

"Geschlechtskrankheiten"

Frühjahr ´66. Z4 und Z5 nach dem Norfolktrip auf Stippvisite in Kingston/Jamaika. Schiffsarzt war Stabsarzt d. R. Dr. K….., im Zivilleben Medizinalrat im Düsseldorfer Gesundheitsamt. Lt. Weisung von ganz oben war die Besatzung in tropischen und subtropischen Regionen vor dem Landgang auf die Gefahren venerischer Erkrankungen hinzuweisen. Dazu diente ein vom Sanitätswesen der BW herausgegebener Diakasten mit einer Lehrserie von Fotos einschlägiger Geschlechtskrankheiten wie Gonorrhoe (Tripper), Syphilis usw.

Dazu liess Dr. K. die Mannschaftsdienstgrade von Z4 abends auf der Schanz antreten (die Offiziere waren für so was zu vornehm oder vielleicht auch immun), jedenfalls waren wir unter uns und für jede Unterhaltung dankbar.
Als es dunkel war, wurden Turm Delta gedreht und die Dias auf seine Seite projiziert. Ich sass mit den anderen Heizern auf den Minenschienen und war bester Laune. Wir hatten jeder eine Flasche p…warmes Becks zwischen den Knieen und waren neugierig. Was dann projiziert wurde, war eine Reihe übelster Verunstaltungen und Verstümmelungen der Genitalien quer durch die Lehrbücher der Haut- und Geschlechtskrankheiten, angefangen beim Ulcus molle bis hin zum syphilitischen bzw. luischen Primäraffekt. Gleich das erste Dia zeigte in Grossaufnahme eine Vulva, in Heizerkreisen auch salopp V……e genannt, die durch ein handtellergrosses Geschwür entstellt war. Während das Foto bei sensiblen Menschen wie mir eine abtörnende Wirkung hatte, erzielte es bei hartgesottenen Naturen den gegenteiligen Effekt. Mein Nachbar wurde unruhig, fing an zu maunzen und hin und her zu rutschen. Raufte sich die Haare, miaute, spielte an sich rum und stöhnte: „Ich halt das nicht mehr aus! Morgen geh ich an Land und dann….(es folgte ein Plan, was er mit den Mädchen in Kingston anstellen würde). Dr. K. hielt einen engagierten und feurigen Vortrag, der in der für die Mikrobiologie sicherlich interessanten Erkenntnis gipfelte:“Jungens, denkt dran:"HIER AUF JAMAIKA SIND DIE GONOKOKKEN SO GROSS WIE BEI UNS DIE MAIKÄFER!" Hat aber keinen nennenswerten abschreckenden Wert gehabt.

 

Am nächsten Abend lungerten Horden von Fletcherfahrern vor dem Sanischapp, war doch das Sanieren nach stattgehabtem Sexualkontakt zwingend vorgeschrieben.

Jetzt die Härte: durch einen Fehlgriff wurde die Lösung verwechselt (klassischer Kunstfehler!) und statt Kaliumpermanganat irgendwas anderes verwendet, mit der Folge, dass sich einige Lords tatsächlich einen Tripper geholt hatten. Die kriegten nach Auftreten der ersten Symptome ein Antibiotikum. Ein Heizer hatte sich wohl noch was anderes gefangen. Er musste jeden Morgen ein Pulver auflösen und den Schlöres darin baden. Tat er auch mit grosser Hingabe. Nahm die Natotasse( ihr kennt die weissen Milchglastassen mit zwei blauen Ringen), lief damit in den Toilettenraum, spülte sein Gerät ausgiebig darin, um anschliessend die Tasse zum Frühstück mit in die Cafeteria zu nehmen. War schon ne kurzweilige Zeit.

 

H.-O. Künstler