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Hallo Kameraden,

lang ist es her! Auf den Azoren gab es ein böses Getränk, welches den "alten Fahrensleuten" sehr bekannt ist.
Es ist ein Anislikör mit einem hellen Reis in der Flasche. Man sagt diesem Getränk nach, wenn man am nächsten Tag, nach reichlichem Genuss am Vortag, Wasser trinkt, stellt sich der Rausch schnell wieder ein.
Von diesem edlen Stoff hatten wir damals zu einem günstigsten Preis größere Mengen eingekauft, um die Lieben zu Hause nach der langen Abwesenheit zu erfreuen.
Aber, aber-----was machen Heizer in der Freiwache?
Man kam auf die tolle Idee, in Vorfreude auf die schöne Stadt Lissabon, doch einmal eine Flasche von diesem "Azorengeist" zu lenzen. Alles gut und schön, es blieb aber nicht bei der einen Flasche.
Ich kann mich noch genau daran erinnern, gegen 16.00 Uhr ertönte das Kommando: "2. WACHE, KLAR MACHEN ZUR WACHÜBERNAHME!"
In der 2. Wache der Heizerei befand sich ein Berliner mit dem Spitznamen "Opi Ike". Der fehlte nun bei der Wachmusterung und ein großes Suchen begann. Nach längerer Zeit wurde Opi in dem „guten Heizerversteck, untere Koje hochgeklappt" gefunden.
Natürlich, dicker Anschiss mit den Worten: "HABEN SIE GESCHLAFEN?"--Ruhe-- "Mensch, Kerl, sie sind ja besoffen! Sie melden sich beim LI Wache auf Station!" Ein Kamerad von einer anderen Wache sollte ihn eine gewisse Zeit vertreten. Die ablösende Wache tauchte an Backbordseite in die Maschinen/Kesselräume ein, aber was keiner vermutete, unser "müder Freund" verschwand an Steuerbordseite im Kesselraum.
Nach dem Wachwechsel machte der LI seine Kontrollrunde. Wen sieht er in K2 in einer etwas schiefen Stellung, --unseren Freund--. Der LI, dem der Vorfall schon gemeldet worden war, holt tief Luft und brüllt: "Sie gefährden ja das ganze Schiff!"
Unser Berliner dreht sich ganz langsam um, legt dem LI die Hand auf die Schulter und sagt mit lächelndem Gesicht: "HERR KAPITÄN, ICK FAHR DEN OFEN SCHON ALLEENE!"

Folge: In Lissabon gab es keinen Landgang für "ICKE".

 

Dieter Birkenbeul