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Wir schreiben den September 1967. Z2 und Z3 befinden sich auf dem Rückmarsch vom Refresher-Training in den USA nach Deutschland. Leinen los in Newport Richtung Tirpitzmole im Heimathafen Kiel.

Nach einem Tag auf See ein plötzlicher Norfall: Auf Z3 gibt es einen Kranken mit akuter Blinddarmentzündung. Kurze Zeit später stellt sich heraus, daß operiert werden muß, aber Hilfe ist zu weit entfernt. Die einzige Möglichkeit wäre Halifax in der kanadischen Provinz Nova Scottia - doch der Krankheitszustand erfordert schnelles Handeln; die Fahrt dorthin würde zu lange dauern. Dann fällt die Entscheidung, es wird auf Z3 operiert! Die Offiziersmesse wird steril gemacht und zum Operationssaal hergerichtet, und alles wird vorbereitet. Z2 schickt seinen Stabsarzt, Dr. Roos, zusammen mit dem Sangast per Kutter und diversem medizinischem Instrumentarium hinüber zu Z3, wo der dortige Oberstabsarzt, Dr. Benteler, die Operation durchführt. Aufgrund ziemlich starker Dünung steht der beste Gefechtsrudergänger am Ruder und hält Z3 bei etwa 8 Knoten auf Kurs. Alles geht gut! Die OP verläuft erfolgreich. Der Frischoperierte erholt sich danach in der Kommandeurskammer, die auf diesem Törn frei ist, da der Geschwaderkommandeur die Reise nicht mitmachen konnte. Als wir Ende September an der Tirpitzmole festmachen, ist der Patient - dank des entschlossenen Handelns - schon wieder wohlauf.

Übrigens: Oberstabsarzt Dr. Carl Benteler, der die Operation so erfolgreich durchführte, stammte wie ich aus Bielefeld und wohnte nur ein paar Minuten von mir entfernt. Wir haben uns später noch einige Male getroffen. Und die Bielefelder Tageszeitungen brachten einen großen Artikel: "Blinddarm-OP auf hoher See durch Bielefelder Arzt".

 

Frank Bartmann,

gefahren auf Zerstörer 2 von April 1966 bis März 1968 als Pantrysteward in der Offiziersmesse, Ausbildungsreihe 11