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Kaksakker

Es war 1961 auf Z3. Auf der Brücke gab es einen fantastisch tüchtigen Signalmaat. Wenn keiner mehr wegen hohen Seegangs oder ekligen Nebels die Morse- oder Flaggensignale lesen konnte - Maat A. bekam alles mit und genoß darum hohes fachliches Ansehen. Sein Spitzname war "Kaksakker". Ich schreibe das absichtlich so, denn nichts,was man aus dem Wortlaut ableiten könnte, traf zu.

Er hatte einen Fehler: Er trank Unmengen Bier, im und ausser Dienst. Weil es Bier auf See nicht gab, war seine Blechkiste unter der Koje immer gut gefüllt. Nüchtern tendierte seine Leistungsfähigkeit auf dem Signaldeck zwar gegen Null, aber das kam nur selten vor, die Vorgesetzten übersahen es einfach. Seine Ausdrucksweise war dann auch bemerkenswert: Er ging nicht irgendwo hin, sondern er "rumpelte" mal eben nach achtern, zur Brücke, in die Koje usw. Im Gespräch beim Bier bewegte er oft die Finger der linken Hand vor seinem Mund und leitete die weiteren Ausführungen mit "dideldihei-ist-List-Twist-undso" ein.

Das muß man wissen, um die folgende Situation einschätzen zu können: Der Kommandant war offenbar Hobby-Ornitologe, er begeisterte sich für jeden Landvogel, der irgendwann auf hoher See abgetrieben und sich meist völlig entkräftet auf dem Oberdeck niederließ. Im Kartenraum lag immer ein Vogel-Bestimmungsbuch bereit.

Maat A. war in seinem Normalzustand auf der Brücke, und als wiedereinmal so ein armer Vogel gesichtet wurde, gab der Kommandant den Auftrag: "A., schaun Sie mal nach, was das für einer ist!" A. sagte "Jawohl, Herr Kaptän" und verschwand im Kartenschap. Es dauerte etwas länger, dann kam er mit dem Buch heraus und rief mit wichtiger Mine: "Ein Oberdecksrumpler, Herr Kaptän!"

Totenstille auf der Brücke, dann ein kurzes Kopfschütteln und "Aha" vom Kommandanten. Jeder verkniff sich das Lachen. Zum Glück meldete sich der LI im Lautsprecher, die Situation und Maat A. waren gerettet.

 

Fisch

(Uwe Hecht)