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Flurplattenschwoof

 

Auf der Überführungsfahrt von Z 2 1959 war unser Turbinenraum farblich noch in dem Zustand bei der US Marine, die diese Farbe bei den aus der Reserveflotte wieder in Fahrbereitschaft gebrachten Zerstörer verwendet hatte. Die Flurplatten aus einfachem Stahl mit etwas erhabenen Rautenmuster waren dick mit roter Rostschutzfarbe gestrichen, was uns nicht gefallen hat. So kam ich bei einer Nachtwache auf die Idee diese Farbe zu entfernen, um die Flurplatten metallisch blank werden zu lassen.

Nun gab ich die Order an meine Stationsheizer, bei jeder Spät- und Nachtwache, wenn der laufende Fahr- und Übungsdienst es zuließ, sich mit Kratzer und Drahtbürste an die Arbeit zu machen. Dieser Arbeitsdienst war natürlich mit meinen anderen Fahrmaaten der beiden anderen Seewachen abgesprochen. Da es sich um viele Quadratmeter auf beiden Turbinenraumebenen handelte, war die Reaktion der Heizer natürlich nicht auf hohem Niveau. Hinter der hohlen Hand wurde ich als "Sklaventreiber" gehandelt, was mir natürlich nicht ins Gesicht gesagt wurde, denn das hätte disziplinare Folgen nach sich gezogen. So wurde diese "Fronarbeit" zähneknirschend in Angriff genommen. Ich muß aber zur Entschuldigung noch dazu sagen, daß auch wir Maate ab und zu dabei geholfen haben.

Ein Gutes hatte dieser Job: es schlief im ruhigen Seetörn nachts keiner mehr auf einer Müllpütz ein. Diese Knochenarbeit wurde über die "Heizerklatschwelle" an die Heizer der anderen Maschinenräume weitergegeben. Neugierig wie deren Vorgesetzte nun waren, kamen diese aus irgendwelchen fadenscheinigen Gründen zu uns nach unten, um sich diese fortgeschrittenen Farbentfernungsarbeiten anzusehen. Es kam wie es kommen mußte: es mußte in ihren Betriebsräumen die Heizerei die gleichen Arbeite ausführen.

Dies alles ließ mich auf der Beliebtheitsskala erst einmal weit nach unten rutschen. Das Resultat dieser Aktion konnte man nach vielen Wachen deutlich sehen: die Flurplatten glänzten, noch mit den Öllappen fein poliert, im besten Metallic. Der Turbinenraum hatte plötzlich einen ganz anderen "Look".

Nicht nur die Handläufe der Niedergänge glänzten nun im Licht der Betriebsraumbeleuchtung, es glänzten auch die Augen unseres Li's, als er zu uns herunterstieg.

Anmerken möchte ich noch, daß auf Grund der hohen Luftfeuchtigkeit, vor allem im Anfahr- und Abfahrbetrieb, durch die verschiedenen dann geöffneten Entwässerungen, die blank geputzten Flurplatten und Handläufe immer wieder der "Nachbehandlung" bedurften. Diese "Turbinenraum-Kosmetik" wurde während meiner gesamten Dienstzeit von 1959 bid 1963 aufrechterhalten.

Unserer Heizungstruppe gefiel es auch, und mein Image wurde von ihnen wieder aufpoliert!!

 

Jochen Hinze

(ehem. Fahrmaat in T2)