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Wie lebte es sich auf den Fletcher-Zerstörern?

Wenn man das Klagen der Offiziersanwärter Reise 156/157 auf der Gorch Fock hört und die Beschwerden beim Wehrbeauftragten - wie viele Wehrbeauftragte hätten Fletcherfahrer eigentlich haben müssen, um sich zu beschweren? Haben wir das getan? Nein!

Bis 69 Mannschaften zusammen in einem Deck mit allen Sachen, die es bei der Bundesmarine gab: Takelpäckchen, erste Geige blau, Collani, Stiefel, Bordschuhe usw.

In drei Etagen übereinander geschlafen, jede Koje 210 cm lang und 80 cm breit, darunter für die 3 Kojen je Mann eine Backskiste, Höhe ca. 60 cm, Breite 70 cm (210 cm Koje = 3 Backskisten), Tiefe 80 cm (Breite der Koje). Um an die Backskiste zu kommen, wurde die unterste Koje in Ketten halb schräg nach oben gehängt, ob mit oder ohne Schläfer.

Es gab Kojen in jedem Deck, in denen man sich noch nicht einmal richtig umdrehen konnte, denn es lief ein Lüftungsrohr über die Koje. Eine Klimaanlage gab es nicht, auch nicht in den tropischen Breiten, sondern es wurde nur Frischluft von außen durch Lüfter zugeführt.

Im Hafen wurde durch Lautsprecher geweckt: "Unterste Lage aufstehen", nach 10 Minuten: "Mittlere Reihe aufstehen" und nach weiteren 10 Minuten: "Oberste Lage aufstehen". Warum? Weil für die 180 Mannschaften nur 10 Waschbecken vorhanden waren. Ferner gab es 4 Duschen, und die Toilette bestand aus 10 Bottichen (5 nach vorne, 5 nach achtern), so dass man sich gut in die Augen schauen konnte, nur seitlich getrennt zum nächsten Zylinder.

Ich habe mich im Deck "hochgeschlafen", das heisst bei jeder Abkommandierung eines Deckmitglieds rutschte jeder in eine bessere Koje, bis man eine Koje sein eigen nennen konnte, in der man auch sitzen konnte.

Wie war das Aufstehen auf See? Während der Seefahrt wurde geweckt, wenn die Seewache aufzog. dann gab es für die komplette Wache, ca. ein Viertel der Besatzung, für eine halbe Stunde Frischwasser zum Zähneputzen und Waschen. Duschen konnte man während der Seefahrt nicht, da keine Wasseraufbereitung vorhanden war. So sagte man nach einiger Zeit: "Im Deck riecht es männlich herb" (z.B. nach 6-wöchiger Trainingsfahrt zu den Azoren. Bei schönem Wetter wurde eine Seewasserdusche auf Oberdeck installiert). Auf die Toilette ging man am Anfang nur des Nachts, bis man sich an die weiteren 9 Leute auf dem Topf gewöhnt hatte.

Das Essen auf den Fletchern war immer hervorragend. Frühstück, Mittag-, Abendessen und um 24 Uhr den Mittelwächter. Außerdem gab es im Winter um 10 Uhr morgens heiße Suppe. Heute noch Dank an die Köche, die wohl den schwersten Job an Bord hatten. Gegessen wurde in mehreren Schichten, da nicht für alle in der Messe Platz war. Mannschaften und Maate aßen in der ersten Zeit zusammen, bis für die Maate ein Stück abgetrennt wurde, und die Maate fühlten sich wie in einem Speisewagen der Bundesbahn. So hatten sie sich auch auf Z4 in ihrem Teil an die Bordwand Landschaftsbilder gemalt, als würden sie im Zug sitzen. Außerdem sollte man noch erwähnen, dass sich in der Spülmaschine auch noch andere Mitbewohner tummelten: Kakerlaken.

Die Akzeptanz zwischen Mannschaften und Vorgesetzten war eigentlich immer recht ordentlich, da auch die Vorgesetzten alle als Matrosen angefangen haben und nicht wie heute zum Teil als Maat oder Bootsmann eingestellt werden. Was soll der Mist?! Wie soll ich auf einen Maat oder Bootsmann hören, der keine Ahnung von der Seefahrt hat?

Als Seeziege (Ausbildungsreihe 11) fuhr man außerdem in der ersten Zeit in der Waschmaschine und mußte außer die Sachen für alle Besatzungsmitglieder zu waschen auch noch mit dem Bügelautomaten alle Teile plätten.

Landgang: An Bord gab es keine Zivilsachen, und deshalb ging die ganze Besatzung auch nur in Uniform an Land. Und wir waren stolz, die Uniform der Marine zu tragen. Nur im Heimathafen, hier als Beispiel das 3. Z-Geschwader in Flensburg-Mürwik, konnte man in Zivil an Land gehen.

Aber wie: Abmelden in Uniform an Bord, zur Unterwasserwaffenschule in die 3. Etage. Dort standen in mehreren Räumen zig Schränke, in denen immer ca. 5 Mann ihre Zivilkleidung hängen hatten. Hier also umziehen in Zivil und an Land. Nachts (Ausgang bis 02:00 Uhr) spätestens um 01:30 Uhr in der U-Schule, das Zivilzeug wieder aus, in die Uniform geschlüpft, und mann mußte dann um 02:00 Uhr spätestens nur in Uniform wieder an Bord erscheinen.

H. Schroer, Hauptgefreiter 11, Z5